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Werner Kräutler Via Arverna

Mein Name ist Werner Kräutler. Ich bin Autor dieser Beschreibung der Via Arverna. Ihr könnt mir gerne Anfragen schicken: wkrautler@gmail.com

Quasi zum Geleit

Ich bin nun drauf und dran, den 4. Europäischen Jakobsweg zu beschreiben, auf dem ich im Herbst 2019 spaziert bin. Vorerst beschreibe ich die Strecke zwischen Clermont-Ferrand und Vic sur Cère. Die restlichen Etappen bis Cahors werde ich hoffentlich im Frühling 2020 absolvieren.

Ihr werdet euch fragen, weshalb ich mir das antue, nach dem Tiroler Jakobsweg , der Via Tolosana und der Via de la Plata auch noch die Via Arverna zu beschreiben?

Mich motivierten zwei Dinge, in der Auvergne auf der Arverna zu pilgern: einerseits wusste ich, dass die Auvergne uralte keltische Wurzeln hat. Wir alle kennen doch den Ort Gergovia aus Asterix und Obelix. Jenen historischen Platz, an dem die Gallier unter ihrem Fürsten Vercingetorix Julius Caesar einen – beinahe – vernichtenden Schlag versetzt hatten.

Andererseits spreche ich gerne französisch. Es ist die Liebe zu einer wunderbaren Sprache. Eine Liebe, mit der mein Können leider keineswegs Schritt hält. Aber ich übe mich halt gerne darin.

Meine Liebe zu dieser kelto-gallischen Kultur ist der eigentliche Grund, weshalb ich diese Website verfasse. Und: weil es keinen deutschen Führer über die Via Arverna gibt. Ich hoffe, diese Lücke mit dieser Website ein klein wenig schließen zu können.

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Kulturpilgern im einstigen geistigen Zentrum Europas

Was nur wenige wissen: die Auvergne war im 8. Jahrhundert ein geistiges, kulturelles und auch ein machtpolitisches Zentrum in Europa. Klöster verwahrten uralte Schriften, Gelehrte schätzten die Auvergne. Die romanischen Bauten sind ein beredtes Zeugnis dieser edlen Vergangenheit, die sich zudem in heute noch existierenden 500 Burgen und Schlössern dokumentiert. (Was weniger edel war, denn die Bauersleute hatten für den luxuriösen Lebenswandel des untätigen und arbeitsscheuen Adels aufzukommen).

Der Hauptgrund, mich in der Auvergne auf den Weg zu machen, waren also die weltberühmten romanischen Kirchen, Dome und Kathedralen in diesem kulturellen  Herzen Frankreichs. Ich kannte bislang ’nur‘ St. Foy in Conques, die wahrhaft ’sphärische‘ Kathedrale auf der Via Podiensis. Sie hatte mich 2002 das erste Mal in ihren Bann gezogen. Und dieser Bann ist nie verflogen. Im Gegenteil. Also spazierte ich pilgernd im Herbst 2019 rund 330 km von Clermont-Ferrand aus südlich. Vorbei an einzigartigen Beispielen romanischer Baukunst. Über teils noch vorhandene, meist mit Steinen übersäte  Römerstraßen. Immer aber ein Auf und Ab über Vulkane und Vulkänle und das alles meist im Angesicht der mittelalterlichen Zwingburgen des Adels. Dicht gedrängt machten diese bisweilen monumentalen Wehrbauten den Bauern jener Zeit das Leben zur Hölle, während der Adel in Saus und Braus und auf Kosten des Landvolks lebte. Ein Umstand, der übrigens maßgeblich zur Französischen Revolution beigetragen hatte. Deren Spuren wiederum man noch immer in den Kirchen findet, die sich seit damals karg und vielfach ungepflegt präsentieren. Denn das Volk hatte auch die Pfaffen verjagt und deren Kirchen teilweise oder ganz zerstört.

Und so orientiere ich mich als Pilger nicht an Messen oder religiösen Zeremonien. Auch nicht an klerikalen Um- oder Aufzügen. Sondern an den kulturellen Leistungen der Menschen dieser ‚Stein-reichen‘ Gegend. An den Trockensteinmauern, den Häusern aus Basalt oder den Bauernhöfen und Almhütten mit ihren wunderbaren Salers- und Aubrac-Rindern. Ich liebe es, in diese karge Landschaft einzutauchen, sie Schritt für Schritt zu erkunden. Wissend, damit auf den uralten Spuren der Kelten, Römer, Merowinger und Karolinger zu wandeln. Aber auch berücksichtigend, dass unser heutiges Kulturverständnis oder vor allem das Produkt vergangener Kulturleistungen und -epochen ist.

Französisches ‚Savoir Vivre‘ gehört zur Via Arverna wie das Amen zum Gebet

Mir geht es in meiner Beschreibung nicht darum, ob ein Weg nach 100 m rechts oder links abbiegt. Auch Etappen-Länge und die – Höhenunterschiede sind für mich zweitrangig. Mir geht es um die Vorstellung einer Kultur, die uns Europäer geprägt hat und immer noch prägt. Aber auch und vor allem um die französische Lebensart, die sich in der Auvergne in den exzellenten Käsesorten offenbart.

Ich möchte mit dieser Beschreibung die Lust vieler – vor allem erfahrener – Pilgersleute wecken, diesen Teil Europas doch einmal unter die Sohlen zu nehmen. Um neben der einzigartigen Kultur der Auvergne die Ruhe, die landschaftliche Schönheit und die Einsamkeit des Pilgerns in vollen Zügen zu genießen.

In diesem Sinne hoffe ich, einen kleinen Beitrag zum besseren Verständnis aber auch zu einer stärkeren Akzeptanz unserer europäischen Heimat – in diesem Fall der Auvergne – zu leisten.

Bonne route!
Werner Kräutler

P.S.: Meine Beschreibungen der Via Arverna erfolgen mithin nach äußerst subjektiven Kriterien.